LOTSCH
VERLAG
seit 1992

buch blaettert

Versengeld

 

Titel Versengeld

 

VERSENGELD
Arbeiten und Gedanken
von
Erwin Echternacht
(1925 - 2012)

 

Umschlaggestaltung: Joachim Lotsch unter Verwendung einer Photographie von Klaus Kindermann.
Photographien von Bildern und Skulpturen des Künstlers im Innenteil: Klaus Kindermann

ISBN 9783930968046
(ISBN alt: 3930968045)
Format 21 x 21 cm; broschiert; 160 Seiten; 480 g
14,- Euro

 

“’Nein!’ Das war der Widerborst. ‘Ich gebe Fersengeld.’ Gegeben hatte er uns ‘Versengeld’, den Titel seines Buches, die Scheidemünzen seines Schaffens. Nicht für uns gestaltet, für uns niedergeschrieben, eher für sich, mehr jedoch: für die Sache. Für das, was ihn umtreibt, immer umgetrieben hat, seit der bewusste Blick zum ersten Mal auf die waidwunde Welt, ihre gehetzten Geschöpfe, fiel. (...) Erwin Echternacht hält einem Dreivierteljahrhundert den Spiegel vor. (...) Ein Zeugnis, das sich durch die Jahre seines Lebens, sein bildnerisches und sprachliches Schaffen zieht.”
(Dr. Inge Leipold, Laubacher Feuilleton)

“Die Stärke der künstlerischen Aussage liegt zweifelsohne in seinen Plastiken. Der subtile Gedanke kommt bei Echternacht knapp und konzentriert, treffsicher und vieldeutig zum Ausdruck.”
(Aloisia Bohn, Süddeutsche Zeitung)

“Gedichte und Skulpturen macht er. Und alles mit unglaublicher Kraft und zugleich - Feinfühligkeit. Er speit die Worte aus wie ein Vulkan, um dann den Hintersinn zu säuseln wie das zarte Meeresrauschen nach der Flut. Desgleichen sind seine Skulpturen, insbesondere die Bronzen, von enormer Wucht, aus schwerem Guss, und zugleich sind sie so zart, dass ich beim Betrachten, beim Befühlen, Gänsehaut bekomme.”
(jlo, Laubacher Feuilleton)

 

 

auf posten - arlon 1943

des morgens wenn die glocke trostlos heult
die sperlinge den kot der straßen pflügen
gehn schwarzgewandet menschen eingebeult
die augen noch im schlaf zum kreuz und lügen
der daunen weiche prägt den zarten schritt
das matte fleisch fällt nieder unbefohlen
wie fensterscheiben aus verfaultem kitt
ob sie sich kraft zu neuen ränken holen?
es summt und brummt - ein bienenhaus der
düstere chor
wie satte drohnen schlummern feiste weiber
und schlürfen zügig noch den liebestraum vom bild
der aufgebäumten nackten leiber
die einst mit jesus christ
den tod gefunden an gekreuzten balken -
verhöhnt und angespieen angepisst
ein lockend mahl für krähen geier und für falken
seht diesen priester der im rauche steht
ein guter frommer dem das blut gefroren
hört wie er hüstelt - röchelt im gebet:
“gib herr dass wir dereinst dir nicht verloren”
und alle beten wie sie kaffee trinken
mit zucker - sahne tüchtig umgerührt
ein amen keucht die weihekerzen stinken
gott lässt sie gehen - weiß er sich angeführt?

 

 

redet

redet die zynische sprache
lästert dem sinngehalt
kotzt in die almanache
eurer hirne asphalt

flügelsenkende geier
aus diesigem leichenzenith
zeigt euch - ruchlose freier
beim brautmahl begattungstopfit

wälzt euch in stinkender suhle
- verweigerung dem geschlecht -
totes in brühheißer kuhle
das beziehungsgeflecht

schweißspur auf aschigem acker
aufprall aufs paradox
das verbale massaker
treibsatz der psychischen schocks

 

 

für meine tochter

welt mache ich aus pappmaché
überwinde meere und fernen
kämpfe mit säbel am portepee
auf bahnen - hin zu den sternen

ehrenzeichen - den pour le mérite
hänge ich selbst mir über
gott mit uns - ich zähle profit
mein traumreich erfährt keinen stüber

held und krösus zu meiner zeit
mein dienstvolk die nonsensegedanken
dann noch streiter vorm herrn und bereit
zu brechen des himmels schranken

ja ich bin es - ich trage mit stolz
das selbstgemachte in händen
gläubiger kommt und lasset das holz
mir aus dem schädel pfänden

meine kugel rollt rollt und will nicht stehen
warte ich noch ein weilchen
werden ist - es ist ein vergehen
spielt mit dem beispiel der veilchen

sonne kippt und es wippt das meer
die mücken verbrennen an lampen
meine schatten häuf ich zu ster
auf den verladerampen

nehmt diese fracht und schichtet sie auf
zu einem scheiterhaufen
ich zahle auch noch ein zugeld drauf
mich mit der flamme zu taufen

 

 

Erwin Echternacht, Jahrgang 1925, studierte an der Landeskunstschule in Mainz und erhielt anschließend ein Atelierstipendium des Landes Rheinland-Pfalz im Künstlerhaus Koblenz-Aderstein. Von 1954 bis 1960 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Anton Hiller. Diplom als Meisterschüler; Akademie- und Wettbewerbspreise; Ausstellungen im In- und Ausland. Als Bildhauer und Dichter lebte er bis zu seinem Tod im Jahre 2012 in München.

 

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